Die Themen Longevity und ein bewusster Umgang mit dem Körper spielen eine immer größer werdende Rolle in unserer Gesellschaft. So suchen immer mehr Frauen nach natürlichen und hormonfreien Verhütungsmethoden, die ihren Körper nicht belasten. Früher oder später stoßen diese Frauen auch auf die Begriffe „NFP“ oder „symptothermale Methode“. Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Handelt es sich dabei um dieselbe Methode oder um zwei verschiedene? Genau das erfährst du in diesem Artikel.
Außerdem verrate ich dir noch einen weiteren – ganz wichtigen – Vorteil der symptothermalen Methode.

Was ist NFP?

Die Abkürzung „NFP“ steht für „Natürliche Familienplanung“.
Darunter fallen erst einmal alle Methoden, die ohne Hormone und ohne Eingriffe in den Körper auskommen. Und der Begriff „Familienplanung“ sagt es auch schon: Es geht nämlich nicht nur um Verhütung, sondern um die Planung einer Familie – also auch um die gezielte Planung einer Schwangerschaft. Es gibt mehrere Methoden, die unter NFP fallen. Die Bekanntesten sind:

    • Symptothermale Methode

    • Temperaturmethode

    • Zervixschleimmethode

    • Bestimmung des LH-Wertes im Urin

    • Kalendermethode

    • Coitus Interruptus (Rückzieher)

Diese Methoden sind unterschiedlich sicher (oder auch nicht). Bei der symptothermalen Methode handelt es sich um die sicherste Methode im Bezug auf den Verhütungsaspekt.

Was ist die symptothermale Methode?

Die symptothermale Methode ist die sicherste NFP-Methode, weil sie zwei zyklische Körperveränderungen gleichzeitig beobachtet. So kannst du feststellen, wann du fruchtbar bist und wann dein Eisprung vorbei ist. Wie ihr Name schon sagt, werden zum einen Körpersymptome (Zervixschleim und/ oder Gebärmutterhals) und zum anderen die Basaltemperatur beobachtet und ausgewertet. So wird die Basaltemperatur durch die Beobachtung eines Körpersymptoms abgesichert und andersherum – dank dieser doppelten Kontrolle ergibt sich die hohe Sicherheit dieser Methode.
Um das besser zu verstehen, machen wir einen kleinen Exkurs zum weiblichen Zyklus.

Der weibliche Zyklus

Der weibliche Zyklus (auch Menstruationszyklus) hat 4 Phasen:

Die 4 Phasen des Menstruationszyklus

    • Menstruation

    • Follikelphase

    • Eisprung

    • Lutealphase (Gelbkörperphase)

Der Zyklus wird von verschiedenen Hormonen gesteuert. Die wichtigsten Hormone sind:

    • Östrogen

    • Progesteron

    • FSH (Follikelstimulierendes Hormon)

    • LH (Luteinisierendes Hormon)

Zur Einfachheit gehe ich hier nur auf die ersten beiden Hormone ein. Den detaillierten Zyklusverlauf gibt’s in einem anderen Artikel.

Menstruation

Der erste Tag der Menstruation markiert den Zyklusanfang.
Hier sind beide Hormone auf einem niedrigen Level und die Gebärmutterschleimhaut wird mit der Menstruations-Blutung abgestoßen.

Follikelphase

Im Eierstock reifen Follikel (Eibläschen) mit Eizellen heran und geben immer mehr Östrogen in die Blutbahn ab. Der Östrogenspiegel steigt an und dadurch verändert sich (unter anderem) der Zervixschleim („Ausfluss“) in seiner Menge und Konsistenz: Je mehr Östrogen in der Blutbahn ist, desto flüssiger, durchsichtiger und spinnbarer wird der Zervixschleim – die Fruchtbarkeit steigt. Diese Veränderung kannst du beobachten. Sie ist Teil der symptothermalen Methode. Durch das Östrogen verändert sich auch die Lage, Öffnung und die Festigkeit des Muttermundes (Gebärmutterhalses). Je mehr Östrogen, desto höher liegt er und desto weicher und weiter geöffnet ist er. Auch diese Veränderungen kannst du erfühlen. Du kannst den Muttermund als Alternative zum Zervixschleim beobachten.
Das Östrogen ist auch für den Wiederaufbau der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich.
Aber diese Veränderung kannst du von außen nicht beobachten.

Eisprung

Beim Eisprung ist das Hormon Östrogen an seinem Höhepunkt angekommen.
Die Eizelle aus dem größten Follikel wird freigesetzt und gelangt in den Eileiter.
Sie kann nun für etwa 12 bis 18 Stunden befruchtet werden. Den Eisprung kannst du nicht an Körpersymptomen beobachten. Manche Frauen haben aber um den Eisprung herum den sogenannten Mittelschmerz. Dieser ist jedoch kein verlässliches Anzeichen und wird daher bei der symptothermalen Methode nicht gewertet (aber trotzdem notiert). Du kannst also nicht den exakten Eisprung ermitteln. Durch die genaue Beobachtung kannst du aber feststellen, wann der Eisprung sicher vorbei ist.
Achtung: Der Eisprung findet nicht immer am 14. Zyklustag statt. Es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass er in jedem Zyklus ein wenig variiert. Deshalb kannst du ihn nie voraussagen. Aber du weißt durch die Methode, wann er sicher vorbei ist.

Lutealphase

Der Follikel (Eibläschen), der nach dem Eisprung als leere Hülle im Eierstock zurück bleibt, hat eine wichtige Rolle im Zyklus. Er wandelt sich nämlich in den Gelbkörper um, weshalb diese Phase auch Gelbkörperphase genannt wird. Der Gelbkörper ist eine Drüse, die nun neben dem Östrogen auch das Hormon Progesteron (Gelbkörperhormon) freisetzt. So gelangt immer mehr Progesteron in die Blutbahn. Dies führt zum einen dazu, dass die Gebärmutterschleimhaut für die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet wird. Es führt aber auch dazu, dass der Zervixschleim wieder weniger und dickflüssiger wird. Er bildet nun einen Schleimpfropfen, der den Muttermund abdichtet und so eine befruchtete Eizelle vor dem Eindringen von Keimen und Bakterien schützen kann.
Diesen Umschwung der Menge und Konsistenz kannst du beobachten. Gleichzeitig schließt sich der Muttermund und wird immer fester. Er liegt nun tiefer und ist so einfacher für dich ertastbar.
Durch das Progesteron passiert auch noch etwas ganz Entscheidendes, das für die symptothermale Methode von großer Bedeutung ist: Die Körpertemperatur steigt um ca. 0,2 °C an. Diesen Anstieg kannst du feststellen, wenn du täglich deine Basaltemperatur (Aufwachtemperatur) misst und notierst. Sie bildet also den „thermalen“ Teil der symptothermalen Methode.
Wenn die Eizelle nicht befruchtet wird, geht der Gelbkörper etwa 12 bis 16 Tage später zugrunde. Durch den Abfall der Hormone in der Blutbahn wird die Menstruation ausgelöst und die unbefruchtete Eizelle wird zusammen mit der Gebärmutterschleimhaut wieder abgestoßen – ein neuer Zyklus beginnt.

In der folgenden Grafik siehst du, wie sich die Basaltemperatur in einem Zyklus mit Eisprung entwickelt. Diese Temperaturkurve erhältst du, wenn du deine Basaltemperatur dokumentierst. Am Temperaturanstieg ist der Eisprung gut zu erkennen. Mit der symptothermalen Methode wertest du also diese Temperaturkurve und die Veränderungen deines  Zervixschleims aus und kannst so feststellen, wann dein Eisprung vorbei ist. Danach kannst du entspannt auf Verhütung verzichten.

Entwicklung der Basaltemperatur im Zyklusverlauf mit Eisprung

 

Fazit:

Du siehst also: Die symptothermale Methode ist eine Methode der natürlichen Familienplanung (NFP). Durch die Beobachtung von einem Körpersymptom und der Körpertemperatur wird eine doppelte Kontrolle ermöglicht. Somit handelt es sich um die sicherste NFP-Methode. Für die Sicherheit ist es jedoch enorm wichtig, dass man sich streng an die Regeln zur Auswertung hält. Nur so kann man die einzelnen Phasen in jedem Zyklus genau bestimmen. Achtung: Die symptothermale Methode kann den Eisprung nicht voraussagen – keine Methode kann das. Aber durch sie weißt du genau, wann dein Eisprung sicher vorbei ist und wann du auf zusätzliche Verhütung verzichten kannst.

Achja – ich habe dir noch einen wichtigen Vorteil versprochen. Vielleicht kannst du es dir schon denken. Die symptothermale Methode kann nicht nur zur Verhütung genutzt werden. Durch die genaue Beobachtung deines Körpers kannst du nämlich dein fruchtbares Zeitfenster besser bestimmen. So kannst du bei einem Kinderwunsch oft viel schneller schwanger werden. Der Vorteil: Du entscheidest jeden Zyklus neu, ob du verhüten möchtest oder schwanger werden willst. Im Gegensatz dazu musst du nach dem Absetzen von hormonellen Verhütungsmethoden oft erst warten, bis dein natürlicher Zyklus wieder einsetzt und du einen Eisprung hast. Bei manchen Frauen kann das auch mehrere Monate dauern. Ich kenne sogar eine Frau, die seit über einem Jahr darauf wartet, dass sie einen Eisprung bekommt…

Es gibt noch viele weitere Vorteile dieser NFP-Methode.
Mit der Zeit lernst du deinen Körper immer besser kennen und verstehen. Und ganz nebenbei stärkst du auch dein Selbstvertrauen und dein Selbstbewusstsein.
Nenne mir eine hormonelle Verhütungsmethode, die das kann 🙂

 

 

Über die Autorin Maggie

Hey, ich bin Maggie – zertifizierte Sensiplan-Beraterin, Pharmareferentin und Femtech-Copywriterin mit einer riesigen Leidenschaft für Zyklus, Weiblichkeit und Intuition. Deshalb dreht sich auf meinem Blog auch alles um diese Themen und natürlich um NFP (nach Sensiplan). Der weibliche Zyklus ist ein Wunderwerk der Natur und die Superkraft schlechthin. Wenn wir ihn kennen, dann ergeben sich eine Menge neuer Möglichkeiten für uns Frauen. Mein Wunsch ist deshalb, dass möglichst viele Frauen ihren Zyklus kennenlernen und für sich nutzen können. Außerdem liebe ich Tiere und die Natur, bin eher introvertiert – und ich mag keinen Matcha! 😖

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